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Nachdem wir 1982 ein Haus in Nairobi gekauft hatten zogen wir in diese hektische Metropole um unseren Traum vom eigenem Geschäft zu
erfüllen. Nach einem Zwischenspiel als Executive Chef im 5 Sterne Serena Hotel in Nairobis Stadtmitte, gründeten meine Frau
und ich die Firma Taurus Catering Services, benannt nach meinem Sternzeichen Stier - und daher übrigens mein
afrikanischer Name Bwana Toras.
Unser erster Versuch ein kleines Hotel zu kaufen endete in Desaster, Nairobi gab uns eine kleine Kostprobe seiner berüchtigten
Gnadenlosigkeit, ein betrügerischer Rechtsanwalt, ein betrügerischer Verkäufer, und unsere gesamten Ersparnisse und Kapital
waren über Nacht weg! Kein guter Anfang, eigentlich eine Katastrophe, doch Not macht bekanntlich erfinderisch und nach einer kurzen
sehr deprimierenden Zeit ging es wieder bergauf.
Strikte Importkontrollen machten so manche essentiellen Güter in den Hotelküchen zur Mangelware und Küchenchefs würden
soweit gehen, dass sie Stewardessen und Piloten schmierten, um Ihnen einen lausigen Spritzbeutel oder Schaschlik Spieße aus Europa mit
zu bringen! Ich nutzte die Gunst der Stunde und produzierte mit Hilfe von Jua kali (heiße Sonne) Straßenhandwerkern,
Sachen wie: Spritztüllen aus dem Blech alter Margarine Dosen (verchromt), Spritzbeutel aus Zeltleinwand, Bambus Spieße jeder
Größe, Kotelett Manschetten, elegante Bambus Salat Zangen, Bambus Essstäbchen für China Restaurants, Bambus Brettchen
für Eis am Stiel, Papier Koch Hüte und noch so einige praktische Gegenstände die ich dann schön verpackt in Hotels,
Gastronomie Fach Geschäften und Supermärkten verhökerte.

Das neue Taurus Restaurant - Innenansicht
Der große Durchbruch kam jedoch als Kenias einzige Zahnstocher Fabrik pleite machte!
Da ich schon als der "Bambus Man" durch die Spieße bekannt war, kamen sie alle zu uns wegen Zahnstochern ...und Zahnstocher bekamen sie!
Ich tüftelte mir ein simples System aus wobei selbst ein Blinder mit einem Taschen- oder Küchenmesser effizient und schnell
Zahnstocher machen konnte.

Über kurz und lang lieferten Massen von Behinderten (auch ein Blinder), Straßenkinder und andere bis zu einer Million Zahnstocher
im Monat bei unserer Werkstatt ab. Dort wurden die Zahnstocher sterilisiert, attraktiv verpackt und im ganzem Land verkauft.
Das Geschäft blühte, doch Kenia wäre nicht die Gesellschaft der Überlebens Künstler die es ist, wenn die Idee nicht
kopiert worden wäre. Und schon bald war der Markt überschwemmt mit Zahnstochern der Marken: Capricorn, Aries (Widder), Gemini (Zwilling),
Leo (Löwe), Scorpion, und Pisces (Fische).
Vielleicht wird sich ja ein Historiker eines Tages wundern, warum in den 1980er Jahren alle Zahnstocher Marken in Kenia und benachbarten
Ländern nach Sternzeichen benannt waren.

Das erste Taurus Restaurant: Innenansicht
Nachdem wir mit dem Erlös unserer kleinen Industrie in der Zwischenzeit unser erstes Taurus Restaurant eröffnet hatten, das
mit einer Mischung aus Balkan Gerichten (Cevapcici, Gulasch, Raznici etc.), kenianischer Küche und dem legendären Taurus Burger
recht erfolgreich war, fiel es mir nicht schwer das Feld meinen zahlreichen Konkurrenten zu überlassen.
Im Gegenteil: ich war stolz, dass meine Idee sich zu einer praktischen Hilfe zur Selbsthilfe entwickelt hatte, und so vielen sonst Chancenlosen
zu einem würdigerem Dasein verhalf.
Nach einigen Jahren wurde das Restaurant zu klein für das Geschäftsvolumen und da bereits alle Expansionsmöglichkeiten
ausgeschöpft waren, erwarben wir ein Grundstück in einer von Nairobis besseren Gegenden und bauten unser zweites Taurus, und
zwar bis in jedes Detail, vom Dach angefangen, nach meinen eigenen Entwürfen und Plänen.
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Das neue Taurus Restaurant Nairobi
Es bestand nach seiner Fertigstellung aus einem üppig bewachsenem Nyama Choma Garten, einem sehr elegantem Restaurant mit
internationaler Küche sowie der Gostiona, einer rustikalen Balkan-Taverne. Im erstem Stock befand sich der "The Loft" genannte
Veranstaltungsraum mit einer Sitzkapazität von 200.

Das neue Taurus Restaurant: Die Loft Halle
Zu dem Gebäudekomplex gehörte noch eine separate Küche für Partyservice und Lagerräume, sowie ein ausgebauter
Parkplatz für 40 Fahrzeuge.
Im Mai 1993 war es soweit, und das neue Taurus wurde offiziell eröffnet durch Dr. Julius Kiano, einem von Kenyas meist respektierten
Politiker und Minister der ersten Stunde. Die Eröffnung wurde live im Fernsehen übertragen, es sprachen auch der Minister
für Tourismus und der Dänische Botschafter Herr Eric Fill. Unter den Gästen befanden sich mehrere Botschafter und auch viele
andere Kunden unseres Partyservices.

Das neue Taurus Restaurant: Outside Catering
Der Partyservice, hauptsächlich Gartenveranstaltungen, hatte sich über die Jahre eigentlich zu unserer Hauptaktivität entwickelt.
Der sehr individuelle Taurus Stil basierte auf der lokalen Nyama Choma Tradition, Union Caterers Erfahrungen, sowie meinen Beobachtungen aus
Asien. Das Herz der ganzen Sache war der Holzkohlegrill und das sogenannte front cooking. Die Zelte und auch die andere Ausrüstung
basierten auf meinen Entwürfen und wurden zum Teil in unserer eigenen Werkstatt hergestellt.

Nyama Choma vom Kohlegrill
Neben vielen Privatkunden zählten auch folgende Organisationen zu unserem Kundenstamm:
Botschaft der Vereinigten Staaten
(für 5 Jahre die Feiern zum 4. July -
Die Party des Jahres in Nairobi
mit über 1000 Gästen.)
GTZ (Gesellschaft für Technische
Zusammenarbeit)- USAID
Die Weltbank
Amref - Care - Norad
Freimaurer
Int. Zentrum für Agrikulturforschung
ICRAF
Botschaften: Dänemark, Schweden,
Norwegen, Österreich, Belgien,
Kolumbien, Schweiz,
Süd-Afrika, Australien
Taurus war 3 Jahre lang alleiniger
Caterer für die Nairobi Flugschau
mit über 10.000 Besuchern
Unglücklicherweise ging es in den 1990er Jahren rapide bergab mit der Wirtschaft des Landes, gekoppelt mit einer enormen Inflation.
Hohe Zinsen, bis zu 38%, die Machenschaften skrupelloser Banker, politische motivierte Interessen in Kombination mit anderen Faktoren,
führten 1997 zum Verlust unseres Geschäftes und quasi-legaler Konfiszierung unseres gesamten Besitzes.
Wir kämpften um unser Recht, doch als es schien, dass mir nach all den Jahren die Aufenthalts- und Arbeitsgenehmigung nicht mehr
erneuert würde, blieb mir keine andere Wahl, als mit meiner Familie das Land zu verlassen, das mir über 20 Jahre lang eine Heimat war.

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